Rind 72

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Rind 72 ist bei Kirsten Hänsel aufgewachsen, auf Hof Apfeltraum. Die Kuh ist sieben Jahre alt geworden (am 27.4.2019 geschlachtet) und trägt damit den Titel "Altkuh". Was Ulrike alles mit ihr erlebt hat, schreibt sie uns hier:

"Es ist eine, wie ich finde, sehr schöne Gelbviehkuh gewesen, im besten
Alter (sieben Jahre) und bis zur letzten Kalbung im August 2018 auch ganz
unauffällig im Verhalten. Doch ihr letztes Kalb hatte nach der Geburt eine sehr starke Sehnenverkürzung an den Vorderbeinen. Deswegen konnte es nicht aufstehen und somit auch nicht trinken. 

Rind 72 hat Kirsten ganz schön rumgescheucht

Rind 72, sieht harmlos aus - hatte es so manches Mal auf Kirsten abgesehen. 


Ohne unsere Hilfe, befürchteten wir, würde es in der Sommerhitze verdursten. Doch zu helfen, war gar nicht einfach. Die Kuh war sehr aufgeregt, weil ihr Kalb nicht mitlaufen konnte. Die Mutter fing bei unseren Hilfeversuchen an uns zu attackieren. Sie wollte ihr Kalb beschützen! Das ist eine normale, gesunde Verhaltensweise. Die meisten unserer Kühe lassen uns aber an die Kälber bzw. greifen uns nicht gleich an.

Also holten wir Kuh und Kalb in den Stall. Dort konnten wir der angebundenen Kuh etwas Biestmilch abmelken und dem Kalb einflößen. Das war schon mal gut. Aber leider stellte sich die Sehnenverkürzung als sehr hartnäckig dar und so entschlossen wir uns, das Kalb per Nuckeleimer zu tränken mit Biomilch
aus dem Supermarkt :-). Die Kuh war weiterhin sehr angriffslustig,
wenn wir uns dem Kalb näherten. Das Kalb konnte aber immer noch nicht laufen. So warteten wir immer ab, dass die Kuh auf die Stallweide ging und dann konnten wir uns an das Kalb trauen und ihm etwas Milch einflößen.

Durch Bandagieren der Vorderbeine und homöopathische Unterstützung streckten sich die Sehnen langsam etwas und so humpelte das Kalb nach ein paar Tagen der Mutter hinterher auf die Weide. Jedoch kam es immer noch nicht ans Euter zum Trinken. Wir mussten uns dann mit dem Nuckeleimer an das Kalb schleichen, ohne
das die Kuh uns bemerkte, da sie sonst sofort mit gesenktem Kopf angaloppiert gekommen wäre.

Nach etwa 10 Tagen konnte das Kalb dann langsam allein an der Mutter trinken und wir hofften, die Angriffslust würde im Laufe des Sommers nachlassen. Aber immer  wieder musste sich jemand mit einem rettenden Sprung über den Zaun in Sicherheit bringen. Deshalb entschlossen wir uns, sie auszumustern, da das Risiko eines Angriffs auf Menschen doch zu groß war. Das Kalb ist inzwischen zu einem sehr schönen Jung-Ochsen herangewachsen, die Sehnenverkürzung hat sich gegeben." 

Ganz schön aufwendig, wenn etwas mal nicht nach Plan läuft. Wir finden es jedes Mal großartig unter welch (auch sportlichem) Einsatz sich Kirsten um ihre Tiere kümmert!