Afrikanische Schweinepest: Was das für unsere Bio- und Freilandbauern bedeuten kann

news/afrikanische-schweinepest-was-das-fur-unsere-bio-und-freilandbauern-bedeuten-kann

Wenig überraschend, dennoch ein Schock: der erste bestätigte Fall eines mit Afrikanischer Schweinepest (ASP) infizierten Wildschweins in Deutschland sorgt bei den MkF-Freilandbauern für tiefe Sorgenfalten. „Wir rechnen damit, dass wir unsere Freilandschweine bald alle in einem Stall einsperren müssen“, erklärt Henrik Staar vom Gut Hirschaue, das nur knapp 50 Kilometer entfernt vom Fundort nahe der polnischen Grenze liegt. Seine Märkischen Sattelschweine – halb Hausschwein, halb Wildschwein – sind aber nur frische Luft, weite Gehege und märkische Erde gewöhnt.

Die Logik hinter den Maßnahmen zur Seuchenprävention: Schweine in einem Stall sind vor dem Virus, das in der Regel Wildschweine in sich tragen, besser geschützt – und können es so auch nicht weitertragen. Doch der Preis, den die Freiland-Schweine und ihre idealistischen Bauern tragen, ist hoch. Denn die Maßnahmen gehen auf Kosten des Tierwohls. Die temperamentvollen Märkischen Sattelschweine sind für die Stallhaltung ungeeignet. Stress unter den Tieren könne etwa zu Kannibalismus führen, davon ist Bauer Henrik überzeugt. „Nicht umsonst werden konventionellen Ferkeln die Schwänze kupiert, um bei lebenslanger Unterbringung in monotoner Stallumgebung das ‚Anknabbern‘ der Schwänze zu unterbinden.“

Kurzfristig könnten dann hohe Zusatzkosten auf Henrik und andere MkF-Bauern zukommen, soviel steht fest. Stallkapazitäten müssten angemietet, Stroh zum Einstreuen zugekauft, zusätzliches Personal für die Tierversorgung eingeplant werden.

Freilandtiere in den Stall – schwierige Zeiten fürs BeWurstsein

Bauer Henrik Staar würde das Risiko einer Infizierung und damit verbunden einer möglichen Keulung  seiner Herde (so nennt man die präventive Schlachtung der Tiere bei Infektionen auf dem Betrieb)  in Kauf nehmen, wenn dafür seine Schweinchen sich weiter im Freiland suhlen könnten. Maßnahmen zum Infektionsschutz, wie die ausschließliche Nutzung von Weiden ohne Zugang zu öffentlichen Wegen oder zu Flächen außerhalb des eigenen Betriebs, also mit umzäunten Pufferzonen, ließen sich umsetzen. Betrachtet man die schiere Menge an Wildschweinpopulationen, die sich auch dank der Förderung von Bioenergie und damit einhergehend mit den riesigen Maisäckern (der schmeckt den Wildschweinen ebenso gut wie den Biogasanlagen) prächtig vermehrt haben, dann erscheint sein kleiner Betrieb mit aktuell rund 100 Freilandschweinen als sehr überschaubares Risiko für eine mögliche Weiterverbreitung des Virus.

Für den Menschen ist das Virus, beispielsweise über den Genuss von kontaminiertem Fleisch, nicht gefährlich. Schweine können sich untereinander anstecken, auch Fahrzeuge mit Kontakt zu Tieren können das Virus weit verbreiten, ebenso wie achtlos weggeworfene Stullen mit kontaminierter Wurst. So ist es zu erklären, dass die Afrikanische Schweinepest, die sich in den letzten Jahren kontinuierlich von Russland über Weißrussland nach Polen bis an die Oder ausgebreitet hat, bereits vor zwei Jahren in Belgien aufgetreten ist, ohne dass Fälle in Deutschland bekannt wurden.

Alles für den Schutz der Schweinefleischindustrie

Mit dem Aufstallungsgebot wird in erster Linie die exportorientierte deutsche Schweinefleischindustrie geschützt: Schon jetzt verkünden erste Länder, kein Schweinefleisch aus Deutschland mehr zu importieren. Handelspartner würden noch empfindlicher reagieren, wenn nicht mehr nur Wildschweine, sondern auch Hausschweine in landwirtschaftlichen Betrieben infiziert wären. Das gilt es unter allen Umständen zu verhindern.

Denn eigentlich, wenn Bauernhöfe nur entsprechend der regionalen Nachfrage produzierten, dann könnte man leichter den Fokus auf den Infektionsschutz der Betriebe bzw. der finanziellen Entschädigung im Falle von Keulungen legen. So jedoch, im Kontext gigantischer Produktionsmaßstäbe, wie sie nicht erst die Corona-Krise bei Tönnies oder Westfleisch offengelegt hat, gilt es, diesen nicht nachhaltigen Wirtschaftszweig mit allen Mitteln zu schützen – auf Kosten der Bio- und vor allem der sehr seltenen Freilandbetriebe.

Noch gibt es erst einen dokumentierten ASP-Fall in Deutschland. Einerseits ist es unwahrscheinlich, dass es sich nur um ein einzelnes Tier handelt und dass in naher Zukunft nur Betriebe im unmittelbaren Umkreis dieses Fundortes von Seuchenschutzmaßnahmen betroffen sein werden.

Andererseits ist es noch gut möglich, den Fall regional einzugrenzen. Wie in Belgien: im September 2018 wurde dort ein Ausbruch der Schweinepest bekannt. Mehrere Hundert ASP-infizierte Wildschweine wurden gefunden, der Ausbruch aber durch die Errichtung von Sperrgebieten und die Dezimierung des Wildschweinbestands regional eingedämmt.

Weiter bei beWursten Bauern kaufen

Was tun? In jedem Fall wird es wichtig sein, unseren Bio- und Freilandbauern treu zu bleiben. Nach Möglichkeit weiter bei ihnen einkaufen, auch wenn das Fleisch vorübergehend nicht in gewohnter Freilandqualität zu haben sein sollte. Denn nur so können wir sicherstellen, dass sie nach der Krise ihre tolle und beWurste Tierhaltung fortsetzen können. Oink!

 

 

 


  • Werner

    Wir kaufen einmal die Woche Fleisch. Wenn der Newsletter kommt, am Dienstag wird bestellt für Donnerstag.
    Euer Fleisch kann man mit gutem Gewissen essen und es schmeckt wie bei meiner Oma als Nebenerwerbslandwirtin in den späten Sechzigern. Das war damals gemütlich, man kannte die Tiere und hat sie dann in der Großfamilie verteilt.
    Diesen Geschmack finde ich bei Euch wieder und bin froh mir das leisten zu können
    Großes Lob dafür
    Oink? Oink!

  • Dorn

    Wir werden weiter unser Fleisch bei Euch kaufen.
    Wir schauen gar nicht mehr die Anzeigen von Supermärkten an. Es schmeckt einfach lecker und ist auch gesund.
    Liebe Grüße und ein Oink

  • Melanie

    Für mich finde ich das selbstverständlich weiter die Bauern zu unterstützen und weiter Fleisch von euch zu kaufen. Leider geschieht das nicht so oft das ich das genießen kann denn ich kann es leider nicht abholen, da ich Dortmund lebe.


Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen