Fleischdiskussion

Gut gegen Böse: Warum es auch darum geht, WIE und nicht nur OB man Fleisch isst.

Puh!, es scheint als hätte MeinekleineFarm.org einen Nerv getroffen. Zumindest den zahlreicher Journalisten. Und im Zuge all der Berichte finden erfreulicherweise auch immer mehr Menschen zu MeinekleineFarm.org. Das führt hoffentlich nicht nur dazu, dass mehr Meat on a Mission geht, sondern auch dazu, dass die Botschaft ankommt und mehr Menschen weniger Fleisch aber mit Respekt essen.

Durch das wachsende Publikum sorgt diese Botschaft auch zunehmend für "Diskussionen". Mörder- und Leichenfresser-Kommentare auf der einen, Fleisch-essen-ist-kein-Verbrechen-Kommentare auf der anderen Seite. Dabei werden stets sehr viele Ausrufezeichen und GROßSCHREIBUNGEN verwendet!!!!!!!!

MeinkleineFarm.org mischt sich in diese "Diskussionen" nicht ein, fasst sein Anliegen aber noch einmal zusammen:

Die ethische Dimension des Fleischkonsums muss jeder mit sich selbst ausmachen. Es gibt keine mehr oder weniger objektive Instanz wie etwa eine gesetzliche, die es verbietet, Fleisch zu essen. Das Grundgesetz sagt zwar: "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen" Aber es scheint so, dass die Tötung von Tieren zur Nahrungsmittelherstellung ein hinreichender Grund ist. Zumindest wurde aufgrund dieses Paragraphen noch kein Schlachter verklagt, so weit ich weiß. Selbst die Praktiken in der Massentierhaltung sind juristisch rechtens. Wir brauchen nicht damit zu rechnen, dass der Gesetzgeber schon bald etwas daran ändert.

Was also tun? Selbst handeln! Selbst entscheiden, ob man Fleisch isst und wenn ja welcher Herkunft. MeinekleineFarm hilft dabei und bietet Wurst mit Gesicht als Lösung für jene an, die nicht ganz auf Fleisch verzichten, aber ihren Konsum verbessern möchten. Wahrscheinlich haben viele Kunden ein besseres Gewissen, wenn sie Wurst von MeinekleineFarm.org essen. Wahrscheinlich zu recht. Denn ausgehend vom Leben, das gut oder schlecht sein kann, in dem sich alles abspielt, in dem ein Schwein solche oder solche Erfahrungen machen kann, kann man schon behaupten: Die Biofreilandschweine von Bernd Schulz hatten ein vergleichsweise gutes, schweinisches Leben. Dass sie getötet werden, ist eine entscheidender Faktor, aber der Tod dauert nur wenige Augenblicke und wird nicht über Monate bewusst wahrgenommen. Was zählt ist das Leben und nicht der Tod. Auch kommt man schnell ins argumentative Schleudern, wenn man vom Tod ausgeht: Wenn niemand die Schweine von Bernd Schulz essen würde, hätten sie keine 8 oder mehr Monate Schweineleben. Nicht-Existenz vs. Biofreilandschweineleben, um Fleisch für Menschen zu liefern. Diese philosophischen, ethischen Argumentationen zum Fleischkonsum sind schwer objektivierbar. Klar ist aber, dass man den Tieren ein besseres Leben ermöglichen kann, wenn man auf Fleisch aus Massentierhaltung verzichtet.

Durchaus objektivierbar ist hingegen die Ressourcen-Überlastung durch Fleischkonsum. Durch den hohen Wasser- und Flächenverbrauch für das Futter ächzt die globale Umwelt unter dem steigenden Fleischkonsum, der auch nachweislich zum Klimawandel beiträgt (s. etwa hier beim Potsdam Institut für Klimafolgenforschung). Dieses Problem geht den Menschen verständlicherweise nicht so nah, wie das emotionale, ethische Problem des Fleischkonsums. Aber es ist nicht minder wichtig. Der Zeithorizont des Effektes und der Folgen ist so groß (Jahrzehnte), dass man keine Bezug dazu aufbauen kann. Es ensteht keine Dringlichkeit, wenn ich ein Steak esse, weil die Auswirkung sehr abstrakt ist und ich sie wahrscheinlich in meinem Leben nicht einmal mehr zu spüren bekomme. Nie werde ich einen direkten Bezug zwischen meinem Steak und späteren Unwetter-Katastophen herstellen können.

Und weil diese beiden Probleme – das ethische und das umweltpolitische – relative Spielverderber sind und einem den Fleischkonsum eher vermiesen, macht es meiner Meinung nach keinen Sinn, den Leuten nur zu sagen, wie schlecht sie sind, wenn sie Fleisch essen. Diese negativistische Ansatz funktioniert nicht, es kommt nicht zu Verhaltensänderungen, wenn man sagt: "Was du tust, hat diese und jene schlimmen Folgen", da ist der Mensch bockig. Deshalb der Versuch, über positive Anreize das Verhalten der Menschen zu beeinflussen: "Hey, guck mal, diese Wurst macht Spaß, stammt von Freilandschweinen und ist lecker, also wieso nicht einfach mal ein bisschen weniger von der komischen Massenwurst kaufen, und stattdessen lieber weniger Fleisch aber mit Respekt essen?!" Ich hoffe dieser Lösungsvorschlag funktioniert besser als extreme Anklagen in Großbuchstaben und mit vielen Ausrufezeichen.