Hofbesuch: Kirsten und die Schafe, Ulrike und die Rinder

Es gibt Tage, da macht die Arbeit besonders viel Spaß. Etwa wenn Vize-Chefschwein Laura und ich mit dem Wurstmobil auf Bauernhof-Tour fahren. Unsere Mission: Mit den Bauern fachsimpeln und die nächsten Tiere für Wurst und Fleisch mit Gesicht fotografieren.

Zuerst fuhren wir zu Kirsten Hänsel vom Hof Apfeltraum, wo die Kühe schon ganz aufgeregt waren, weil sie nach dem Winter im Laufstall wieder auf Weide durften. Die Laufstallhaltung hat zweierlei Gründe: Zum einen kann Kirsten so den wertvolllen Kuhmist zum Düngen sammeln, zum anderen schützt das die Grasnarbe bei feuchtem Wetter vor Trampeleien.

Relaxende Rinder auf dem Hof von Kirsten Haensel.

Etwas abseits der Herde ließ sich eine Kuhdame bereitwillig ablichten und imponierte durch ihre fotogene Seite. Das traf sich ziemlich gut, denn wie der Zufall will ist es die nächste Wurst-gesichtsgebende Kuh.

Der eigentliche Grund unserer Anreise: Eine prächtige Herde Rauhwolliger Pommerscher Landschafe und ihr Nachwuchs. Auf der großen Weide faulenzten Lämmchen und Mutterschafe und ließen sich die Sonne aufs Vliess scheinen.

Hierzu ein kleiner Ausflug in die Tierkunde: Vor langer Zeit entstand diese Rasse aus einer Kreuzung des Zaupelschafes und des Hannoverschen Schafes. Das Besondere an dieser Mischung: Ihr Vliess ist atmungsaktiv und temperaturregulierend und somit bestens geeignet jeglichem Küstenwetter zu strotzen. Denn von der Waterkant kommen sie her. Zudem zählt es aufgrund seiner langsamerem Fleischwüchsigkeit zu den schlankeren Zeitgenossen unter den Schafrassen. Deshalb, klärt uns Kirsten auf, sind die Rauhwoller nach 12 Monaten auch noch nicht schwer genug für die Schlachtung. Das Prädikat Lammfleisch bleibt Kirstens Schafen deswegen zwar verwehrt, dafür dürfen sie ein klein wenig länger auf der Weide tollen. Was ihr dann bei MeinekleineFarm.org kauft ist also kein Lammfleisch, sondern genaugenommen Fleisch vom Jungschaf.

Doch das Rauhwollige Landschaf wurde vom Fleischschaf (den massigeren Kollegen) und den feinwolligen Merinoschafen arg in Bedrängnis gebracht, sodass die schöne Rasse sehr selten ist.

Nicht mehr rauwollig: Die Schafe nach der Schur

Toll also, dass Kirsten die Pommerschen Landschafe züchtet. Mit viel Liebe und sichtlichem Spaß an der Arbeit widmet sie sich ihrem Erhalt. Auf der Weide gleich hinter Kirstens Haus haben sie viel Platz zum grasieren und flanieren, manch eines konnte ich sogar bei lustigen Aerobic Übungen beobachten.

So ein Schaf zu halten, kostet Futter, Platz, Tierarzt etc. Weil sie auch langsam Fleisch ansetzen, ist es das am Ende nicht billig. Aber eine Welt ohne Rauhwoller? Ein trauriger Gedanke und ein weiterer Rückschritt in der Erhaltung der Artenvielfalt. Deshalb, beWurste Freunde, genießt die Jungschafe von Kirsten und rettet die Rauwoller!

Nur eine halbe Wurstmobil Stunde entfernt erwartete uns Ulrike Raulf. Mit zwei Mitarbeitern betreibt sie den Wulkower Hof und hält vor allem eine etwa 140-köpfige Mutterkuhherde der Pinzgauer Rasse. Auch eine alte und bedrohte Haustierrasse. Und da es in Zukunft bei MeinekleineFarm.org auch Wurst- und Frischfleisch-Leckereien von Ulrikes Rindern geben wird, haben wir ihr und den Pinzgauern gleich einen Besuch abgestattet.

Aus dem Fressstand ertönt schon das Hörnerklappern der Rinder. Ja, Hörner, denn auf dem Wulkower Hof wird nach Demeter Richtlinien gewirtschaftet, deshalb dürfen auch alle Rinder ihre Hörner behalten. Sehr zur Freude der Wiederkäuer, denn Hörner sind nicht nur natürlich, sondern auch für die Bullen wichtig, um Rangkämpfe auszutragen. Im besagten Fressstand, wo Ulrikes Rinder gefüttert werden, sind diese zwar etwas hinderlich, aber schlaue Wiederkäuer wissen schon, wie man hörnerklappernd ans Futter kommt. Einmal den Kopfdreher gemacht und Rind kann es sich schmecken lassen.

Ulrike erklärt dann noch die Vorteile des Fressstandes. Dieser hilft Futterneid und Rangeleien zwischen den Kühen zu umgehen und ist für die Tiere noch dazu eine entspannte Routine. Neugierig gucken sie mich aus ihren großen freundlichen Kuhaugen an. Ja, das sieht nach Harmonie aus.

Der Rest der Herde tummelt sich derweil auf der Weide. Meine Aufgabe als Tierfotografin hat sich damit um einiges erschwert. Mit Kameras umhangen brauchte es einige Zeit und todesmutige Anpirschversuche an die Herde, um einen Schnappschuss der auserwählten Kuh zu erhaschen. Gekonnt versteckte sie sich hinter ihren Freunden oder drehte mir konsequent die Hinterseite entgegen. Am Ende hats dann aber doch noch geklappt.

Falls Ihr Fragen oder Anregungen habt, schreibt gerne einen Kommentar :)

Muh und Oink aus dem Wurstbüro!

 


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