Die vier G's sind Schuld! Bericht von der Fleischtagung in Hannover

Der Film zeigt, dass Fleisch kein einfaches Nahrungsmittel ist. Wie Paracelsus schon im 16. Jahrhundert sagte: "Die Dosis macht das Gift." Doch woran liegt es eigentlich, dass wir in Deutschland so überdurchschnittlich viel Fleisch essen? Rund 90 kg pro Kopf und Jahr verbrauchen? Frau Professor Strassner, Ernährungswissenschaftlerin der Fachhochschule Münster, beantwortet dieses Frage mit vielen G's. Auf der Fleischtagung des Verbands Entwicklungspolitik Niedersachsen (VEN) Mitte Juni sagte Strassner: "Geschichte, Geschlecht, Geschmack und Gewohnheit." Komplexe Angelegenheit also, und besonders mühselig ist's ja, Gewohnheiten zu ändern. Bein MeinekleineFarm versuchen wir's per des "nudging": Der Zeigefinger wird nicht erhoben, sondern Spaß machen soll es, wenn man weniger Fleisch, aber mit mehr Respekt isst.

Frau Strassner ist ähnlicher Meinung. Um den Fleischwahn wieder auf ein umweltverträgliches Maß zu reduzieren, muss die Landwirtschaft an den Standort angepasst sein, Artenvielfalt muss gefördert werden und Tiere sollten wieder ganzheitlich verarbeitet werden. (Nein, wir haben Frau Strasser keinen Fuffi zugesteckt, damit sie das sagt, was wir tun.) Bei der Feilandhaltung von Bauer Schulz und Bauer Offen welchseln sich Schweine und Getreide auf dem Acker ab und Bauer Metzger-Petersen mit seinen sehr seltenen Husumer Protestschweinen und Bauer Staar von Gut Hirschaue mit den Sattelschweinen sorgen für frischen Wind im Schweine-Genpool. Ganzheitliche und ganz persönliche, weil einzelne Verarbeitung? Klar, sonst könnten wir ja nicht das Bild von Schwein und Co. auf das Wurstglas kleben drucken, um euch zu zeigen, welches Tier ihr

Ein weiterer interessanter Redner war Herr Benny Haerlin von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. <!-- more -->Kernaussage seines Vortrags war der Aufruf zum strukturellen Wandel in der Nahrungsmittelproduktion um die Bereitstellung von Essen und Trinken für die wachsende Bevölkerung auch in der Zukunft zu sichern. Bereits heute sind die Schäden für die Umwelt, die durch intensive Produktionssysteme verursacht werden, sichtbar und stellen eine Bedrohung für viele Ökosysteme da. Laut Haerlin werden wir es noch erleben, dass ganze Meere eutrophieren. Ein entscheidender Verursacher für diese Nährstoffanreicherung in Gewässern ist die intensive Tierhaltung, denn viele Tiere produzieren auch viel Dung und Mist der ins Grundwasser gelangt oder gleich in ein nahegelegenes Gewässer gepumpt wird. Das führt dann zum ‚umkippen’ der Gewässer, wodurch ganze Ökosysteme zerstört werden.

Im Anschluss an die Vorträge und nach einer vegetarischen Mittagspause ging es in den Foren weiter. Ich, also Laura von MeinekleineFarm, nahm am Forum klimafreundliche Ernährung und Schulverpflegung teil. Hier haben die Teilnehmer zunächst persönliche Erfahrungen zur Thematik Fleischkonsum und vegetarische Alternativen ausgetauscht. Dabei wurde schnell klar, dass sich bereits viele Menschen Gedanken darüber machen, wo ihr Feisch herkommt und auch, ob es wirklich jeden Tag auf den Tisch muss. Mit großer Freude können wir berichten, dass das Konzept von MeinekleineFarm viel Applaus erntete. Die Transparenz und der Bildungseffekt der Wurst mit Gesicht treffen den Nerv der Zeit und spiegeln die Wünsche der Verbraucher wider. Unser Engagement für beWursten Fleischkonsum wurde als zukunftsträchtig gelobt, jippieh! Für uns sind das unglaublich motivierende Momente und wir freuen uns sehr über dieses Feedback :)

Am Ende eines langen Tages haben wir die Ergebnisse der Foren dem niedersächsischen Agrarminister, Christian Meyer, präsentiert, damit er sie als Arbeitsgrundlage für seine Politik mit nach Hause nimmt. Ob wir in der hintersten Schublade verschwinden oder gar in Ablage P wie Papierkorb? Keine Ahnung, aber versuchen muss mans ja, wer weiss, vielleicht haben wir nun einen prominent-politischen Botschafter für eine neues BeWurstein?!


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